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Aranmuster

Die Ursprünge der Aran-Muster

 

Woher stammen sie eigentlich - die Zöpfe, Noppen und Rhomben?

 

Beinahe jeder kennt die typischen naturfarbenen Pullover mit symmetrischer Musteraufteilung in aufwändigen Zopf-Noppen und Rhombenmustern. Doch woher diese wunderschönen nicht ganz einfach zu strickenden Pullis Ihren Ursprung haben, können Sie hier nachlesen.


Die wohl bekanntesten Pullover mit plastischen Mustern kommen aus Irland und von den irischen Aran-Inseln. Diese Muster sind im Laufe von Jahrhunderten aus dem Erfindungsgeist der Einwohner entstanden, zunächst aus dem der Männer übrigens, während die Frauen die Wolle dafür spannen. Später strickten dann die Fischers- und Bauersfrauen für ihre Männer, wobei sie nebenbei immer noch ihren Tweed und die bunten Gürtel, Criss genannt, webten. Diese Pullover waren nicht nur Schutz vor Wind und Wetter, sie zeugten auch von der Phantasie jeder einzelnen Frau. Das wird nicht nur an den aufwändigen, manchmal schon fast überladen wirkenden Mustern deutlich, sondern auch dadurch, daß häufigVorder- und Rückenteil verschieden gemustert waren.

 

Die einzelnen Muster erinnern an keltische Ornamente, an die Steinkreuze und Säulenkapitelle, die für Irland und seine Inseln so typisch sind. Diese Ornamente hatten im Leben der Fischer und Bauern eine tief verwurzelte, magische Bedeutung. Sie ging auch in die Strickmuster mit ein. Jede Frau stellte also sehr sorgfältig einzelne Muster und damit gute Wünsche für den Träger zusammen; z. B. wurde der Wunsch nach reichem Fischfang durch ein Rhombenmuster mit Perlmuster (Masche im Fischernetz) dargestellt. Langes Leben und starke Söhne wünschte das Bäumchenmuster (Lebensbaum) oder das Schiffstau, das Matrosen das Leben retten kann (Zopfmuster). Der Fleiß der Bienen wurde durch das Wabenmuster dargestellt, die Lebenslinie mit ihrem Auf und Ab durch das Zickzackmuster.

 

Noch heute strickt manche Frau außerdem eines ihrer Haare in einen Pullover ein: Das soll dem Träger besonderes Glück bringen. Die Muster der Pullover wurden nicht aufgeschrieben, sondern innerhalb der Familie weitervererbt, oft als lange, gestrickte Musterbänder. Bei geraden Schnitten waren die Bündchen und auch der kleine Rollkragen meistens auch mit einem Muster versehen. Oftmals wurde für eine bessere Bewegungsfreiheit unterm Arm ein glatt gestrickter Zwickel eingesetzt. Neben der hellen Naturfarbe gab es auch Marineblau und die verschiedenen Grün- und Brauntöne. Diese Farben wurden aus Naturprodukten wie Kräutern, Moos und Seetang hergestellt. Ähnlich verhält es sich beiden „Guern-seys", den Pullovern, die auf der gleichnamigen englischen Kanal-Insel und auf den Hebriden von den Fischersfrauen für ihre Männer gestrickt wurden. Auch hier sollten die Pullover in erster Linie vor Wind und Wetter schützen. Es wurde daher oft sehr dicke - meist dunkelblaue - Wolle verstrickt, die noch sehr viel natürliches Wollfett enthielt, und zwar meist mit dünnen Nadeln. Man findet hier kaum durchbrochene (luftdurchlässigere) Muster, sondern fast ausschließlich sehr dichte Muster aus rechten und linken Maschen. Diese Muster erscheinen vorwiegend auf der Brust, den Schultern und den Ärmeln bis hin zum Ellenbogen - den Partien also, die besonders gewärmt werden sollten. Vom Bündchen bis zum Beginn des dichten Musters wurde der Pullover glatt rechts gestrickt. In diese Fläche wurden meist die Initialen oder der Name des Trägers eingearbeitet. Wurde nämlich ein Schiffbrüchiger an Land gespült, so konnte man am Initial oder auch am familientypischen Mustererkennen, zu welcher Sippe, zu welchem Dorf oder zu welcher Insel er gehörte und ihn so identifizieren. Genau wie bei den üppigen irischen Mustern hat auch hier jedes Muster und seine Zusammensetzung eine spezielle Bedeutung. Auch hier wurden gute Wünsche für den Träger eingestrickt.

 

Plastische Muster aus dem alpenländischen Raum sind vor allem bei Strümpfen und Jacken bekannt.
Seit dem 16. Jahrhundert wurden in den Alpen besonders kunstvolle Strümpfe gestrickt mit den verschiedensten Mustern aus gezopften rechten Maschen - vor allem für Männer. Den „Waderl-Strümpfen" sieht man deutlich an, wie genau hier in Form gestrickt wurde.
Für Frauen wurden Strümpfe hauptsächlich aus Baumwolle gearbeitet und oft zusätzlich mit einem Lochmuster versehen. Diese Muster wurden als lange, gestrickte Bänder gesammelt und weitervererbt. Die Namen der Muster waren auch hier der bäuerlichen Umgebung entnommen, z. B. Ackerfurche, Haferkorn, Rosenblätter, Fenster, Leiter, Käfer oder Wanze! Erst seit Beginn dieses Jahrhunderts findet man dort Strickjacken mit dichtem, flächigem Muster. Die heute bekannten Trachtenjacken wurden erst in den 30er Jahren phantasievoll erdacht und sind seitdem fester Bestandteil der alpenländischen Mode.