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Das Färben

Treiben Sie's bunt


Schon die Hoehlenmalereien der Altsteinzeit zeigen die Bedeutung der Farben fuer die kulturelle Entwicklung des Menschen. Eine Geschichte der Farben ist daher immer auch Kulturgeschichte. Farben dienen als Symbole und Kommunikationsmittel.


Schon die Kelten und die Römer färbten Ihre Kleider bunt und legten so den Grundstein für die mittelalterliche Farbenpracht. Die Wirkung der naturgefärbten Wollen ist unterschiedlich und dabei spielt auch die Pflanze, aus der wir die Färbekraft - den Farbstoff - ziehen, eine Rolle.


Das Färben war früher Hausarbeit und es wurden Zünfte daraus. Später wurde dann das Färben von Wolle und Tuch ein Berufszweig. Das Färben fand in den Färbehäusern statt, die den Tuchmachern gehörten. Es durfte nur eine bestimmte Menge gefärbt werden, die dann von den Innungsmeistern überprüft wurden, um das Verfälschen der Farben zu verhindern. Verstöße wurden mit hohen Geldbußen belegt.


Es gab 3 verschiedene Arten von Färber:


Die Schwarzfärber, die Schwarz färbten
Die Schönfärber, die feinere Qualitäten und edle Farben färbten und
Die Seidenfärber, die sich als freie Künstler fühlten, weil sie keiner Zunft angehörten. Es wird nicht das Tuch, sondern das gesponnene Garn gefärbt. Die intensive Farbe erhält man durch mehrfaches Überfärben derselben Farbe. Jeder Farbe kommt eine besondere Bedeutung zu.


Rot
Die erste Farbe, mit der Menschen gemalt haben, war rot. Rot ist eine Farbe mit viel Kraft: Sie ist die Farbe des Feuers, der Liebe und der Festlichkeit.
Rot kann aber auch eine Warnfarbe sein und Gefahr bedeuten, so zeigt uns eine rote Ampel, dass wir stehen bleiben sollen, weil das Überqueren der Straße gerade gefährlich ist. Ocker-Erde, rote, eisenhaltige Gesteinsbrocken, die zu Pulver verrieben wurden und dann mit Wasser angemischt. Damit versuchten die Menschen ihren Waffen Glück bei der Jagd zu verleihen, das Rot des Ockers stand für das Blut ihrer Beutetiere.
Mit der Zeit fanden sich natürlich noch andere Möglichkeiten, rote Farbe zu machen. Zum Beispiel mit der Krapp-Pflanze (Titelbild), einem stacheligen Verwandten des Waldmeisters. Der Krapp hat in seiner Wurzel einen roten Farbstoff. Damit wurden lange Zeit fast alle roten Kleider gefärbt. Wer viel Geld hatte, konnte sich aber etwas Besseres leisten. Das edelste Rot, das Spanisch-Rot. Es wird aus dem Blut der Koschenille-Schildläuse gewonnen. Diese Verwandten der Blattläuse leben auf Kakteen. Die Spanier hatten diese Läuse bei der Eroberung Südamerikas gefunden.


Blau
Blau war die Farbe der Macht. Kaiser Heinrich II. war auch von diesem Machtgedanken beseelt und trug deswegen einen tiefblauen Mantel mit goldenen Sternen. Dieser Mantel war mit einer Farbe gefärbt worden, die zu den teuersten Dingen im Mittelalter überhaupt zählte: Indigo, die Indische Farbe, die aus den Säften eines Strauches gewonnen wurde. Indigo kam in gepressten Stücken, die aussahen wie sehr dunkelblaue Ziegelsteine, in Europa an. Aber es gab noch eine andere Möglichkeit, Kleidung blau zu färben, wenn auch lange nicht so schön dunkelblau: Mit dem Färberwaid. Ein Strauch, den die Färber in Bottichen gären und stampfen mussten, um ihm den Farbstoff zu entziehen. Zum Färben mit dem Färberwaid braucht man jede Menge Urin, deswegen stank es in Blau-Färbereien fürchterlich.
Blau ist auch die Farbe des Himmels. Deshalb werden Himmelsgottheiten oft mit blauen Gewändern dargestellt. So sieht man auf Gemälden zum Beispiel die heilige Maria meist mit einem blauen Mantel. Außerdem ist Blau die Farbe der Sehnsucht, der Treue, der Wahrheit, des Glaubens und der Bildung.


Purpur
Purpur war eine Farbe nur für Kaiser, Könige oder Kardinäle. Niemand sonst durfte purpurne Kleidung tragen.
Purpur war so besonders, weil die Herstellung extrem schwierig ist. Die einzigen, die den perfekten Purpur herstellen konnten, waren die Phönizier, ein Volk von Seefahrern und Händlern. Sie wussten, wie aus der Purpurschnecke, einer Meeresschnecke, diese ganz besondere Farbe gewonnen werden konnte.
Purpurschnecken geben nur zwei Tropfen Farbstoff ab. Das machte die Arbeit sehr mühsam. Außerdem stank es in Purpurfärberein so fürchterlich nach verfaultem Fisch, dass sie weit ab aller Städte standen. Wochenlang wurde der Schneckenbrei erst zum Verfaulen gebracht, dann abgeseit und gekocht.
Danach kamen die Tücher hinein, die gefärbt werden sollten. Waren diese lang genug in der stinkenden Brühe eingeweicht, wurden sie an der Sonne getrocknet und erst jetzt kam die Farbe zum Vorschein.


Grün
Grün erinnert an Pflanzen, an Wachstum und Frische. Grün ist auch die Farbe der Hoffnung. Und Grün ist die Farbe des Umweltschutzes. Wenn jemand noch so jung ist wie ein kleines Salatpflänzchen, und noch keine Erfahrung in seinem Leben gesamelt hat, dann sagt man zu ihm: "Der ist ja noch ganz grün hinter den Ohren!"

 

Schwarz
Schwarz ist genau wie Weiß, eine Unfarbe und steht in unserer Kultur für die Dunkelheit, den Tod und für Trauriges und Böses. Schwarz steht auch für Kummer - deshalb sagt man, wenn einen etwas bedrückt und man glaubt, dass kein gutes Ende mehr kommt: "da seh´ ich schwarz!" Tragen wir Trauer, weil jemand gestorben ist, ziehen wir uns schwarze Kleider an.
Im Aberglauben und in Sprichwörtern bedeutet Schwarz oft Unglück: Zum Beispiel, wenn man eine schwarze Katze sieht oder einen schwarzen Raben, dann sagt man, dass man einen "schwarzen Tag" haben wird, also dass an dem Tag alles schief gehen wird. Es kommt auch der Ausspruch "Sich schwarz ärgern", wenn man sich über etwas sehr stark aufregt.


Gelb
Historisch gesehen ist die gelbe Farbigkeit die des Neides, aber auch der Menschen, die sich außerhalb der Normen bzw. Vorstellungen unserer Gesellschaft bewegen. So mussten im Jahre 1445 Hamburger Prostituierte ein gelbes Kopftuch tragen, in Leipzig trugen sie um 1506 einen kurzen gelben Umhang. An anderen Orten war ihre Kennzeichen ein gelber Schleier oder gelber Kleiderbesatz.
Gelbe Türen kennzeichneten die Häuser der Geächteten oder - wie wir sie heute bezeichnen würden - der Randgruppen. Ketzer mußten bei ihrer Hinrichtung ein gelbes Kreuz tragen. Gelb als Farbe der Geächteten finden wir auch im dritten Reich, Juden mussten sich den gelben Judenstern an ihre Kleidung nähen. Heute wird Gelb oft als Modefarbe eingesetzt. Wobei das sonnige Gelb nicht nur als Akzentfarbe verwendet wird, sondern vor allem in den Sommermonaten können wir es als Kleiderfarbe bewundern.
Gelb ist eine Farbe, die weithin sichtbar ist, auch in der Dämmerung oder im Dunkeln. Gelb kann der Träger nicht verstecken, diese Farbe ruft Aufmerksamkeit hervor. Und genau das wollte man erreichen, wenn, wie im Mittelalter die Ausgestoßenen der Gesellschaft, Gelb tragen mussten.


Vor der Entwicklung der künstlichen Farbstoffe färbte man die Stoffe mit Safran gelb. Safran jedoch ist sehr teuer und kostbar. Für ein Kilo Farbstoff werden 100000 bis 200000 Blüten benötigt. Damit kann man ungefähr 10 Kilogramm Wolle färben.


Das Färben der Kleidung mit Safran war daher für die meisten Menschen zu teuer, und alle anderen gelb färbenden Mittel erzeugten eher einen schwachen , fahlen Farbton, wie z.B. Saflor und Wau. Deshalb verwendete man diese Farbstoffe eher als Grundbasis für andere Farbtöne. Die meisten Blätter, Kräuter und Hölzer unserer Region bringen beim Färben Gelb in allen Schattierungen hervor.


Wasserhärte und Mineralstoffgehalt sind für das Ergebnis wichtige Faktoren. So kann man mit dem gleichen Färbekraut und einer unterschiedlichen Wasserhärte völlig verschiedene Farbsättigungen erzielen. Die Beize ist das wichtigste beim Färben. Mit Naturfarben können Sie allerdings nur Naturstoffe wie Wolle oder Leinen färben. Früher hat man in Essig oder Urin gebeizt. Heutzutage jedoch benutzt man Eisen, Chrom, Zinn, Weinstein oder Alaun. Chrom ergibt intensive Farben, während Eisen die Farben matter erscheinen lässt. Und hier noch einige Links zum Thema "Färben"


www.naturfaerber.de
www.holzkircher.de/magazin/fspinntechnik.htm
www.simplicol.de
homepage.sunrise.ch/homepage/pglaus/pflanzenfaerbung.htm
www.tezarek.at/SeminarFaerben.htm
www.textiles-werken.de/faerben.html
Wolle und Handwerk


Hier finden Sie alles rund um die Wolle. Es finden auch Seminare statt. Außerdem gibt es Tipps zum Färben.

 

Wollemond

Woher das Blaumachen und Blausein stammt


Hier noch ein Rezept:
Man löst in 16 Liter weichen, heißen Wasser 120 gr. Alaun und 30 gr Weinstein auf. Geben Sie etwa 1 Pfund gewaschene, locker zu einem Strang gebundene Wolle, möglichst mit Wollfett hinzu und kochen die Wolle ca. 1 Stunde in der Beize. Für den eigentlichen Färbevorgang benötigt man einen emaillierten Topf oder Kessel. Die Färber sprechen von der Küpe. Jetzt wird die Färberdroge ausgekocht und erst nach dem Abkühlen gibt man das Färbegut hinzu. Abermals sollte die Wolle bis zu einer Stunde kochen. Ist das Färbegut abgekühlt, so nimmt man es heraus und spült es gut mit kaltem Wasser ab.