Norwegermuster |
Die Herkunft der Norwegermuster
Norwegermuster—dieser Name fällt wohl den meisten von uns zuerst ein, wenn
wir ein Kleidungsstück mit bunten eingestrickten Mustern sehen. Diese
mehrfarbigen Muster wurden uns aber nicht nur aus Norwegen überliefert, sondern
sie kamen auch aus Island, von den Färöern und den Shetland-Inseln. Überall
erfüllten diese Muster in erster Linie einen praktischen Zweck: Die mehrfädige
Strickart ist sehr dicht und besonders warm. Sie waren besonders für die harte
Arbeit beim Fischfang und auf dem Feld hervorragend geeignet, denn sie halten
wie auch die plastischen Strickmuster Islands besonders warm. Es gibt zwei Erklärungen
für die traditionellen und kunstvollen Muster der Shetland-Inseln:
Eine Theorie besagt, dass der Ursprung der mehrfarbigen Muster auf die
Wikingerzeit zurück geht, die im 8. Jahrhundert auf dem Weg nach Nordamerika
die Shetland-Inseln anliefen. Sie hätten ihre auffallenden Schiffe zum Zweck
der Tarnung mit gemusterten Tüchern in prächtigen Farben behängt. Deren
Muster seien dann als Vorbild für die Motive überliefert worden, die später
gestrickt wurden. Anhänger dieser Überlieferung wollen in den Strickmustern
typische Wikinger-Zeichen wie Galeeren, Kronen, Anker usw. erkennen.
Andere wiederum sagen die Herkunft der mehrfarbigen Muster auf den
Shetland-Inseln einem Ereignis nach, das im Jahre 1588 stattfand, als vor deren
Küste ein spanisches Kriegsschiff sank. Die Überlebenden hätten sich den
Einwohnern zu Dank verpflichtet gefühlt und sie deshalb gelehrt, die Wolle
ihrer Schafe zu verspinnen und das so gewonnene Material zu verstricken. Anhänger
dieser Version sind der Meinung, die Muster enthielten spanische Elemente, z. B.
das Kreuz von Castilien, den Anker des Kolumbus, den Stern von Granada u. ä.
Fest steht aber, daß auch heute noch viele Frauen in diesen Ländern
„eigene" Strickmuster haben, die oft einfach den Namen ihrer Familie
tragen. Sie wurden von Generation zu Generation weitervererbt. „Gesellschaftsfähig"
über ihre Herkunftsländer hinaus wurden Pullover mit kleinen eingestrickten
Mustern allerdings erst im Jahre 1922, als der Prince of Wales bei einem
Golfturnier im berühmten St. Andrews Golfclub einen "Norwegerpullover“
trug. Die ursprünglichen norwegischen Fischerpullover waren - im Gegensatz zu
den eher enganliegenden irischen -ziemlich weit geschnitten und wurden in
hochtallierte Hosen gesteckt. Dies ist auch die Erklärung, weshalb ihr unteres
Drittel meist einfarbig weiß war: Dieser Teil des Pullovers steckte in der Hose
- es gab also keinen Grund, die gute gefärbte Wolle zu „verschwenden".
Die traditionellen Muster wie Sterne, Schneeflocken und
grafische Zickzacklinien wurden früher vor allem für Fausthandschuhe
verwendet. Die Motive waren aber dann so reichhaltig, daß sie einen ganzen
Pullover füllen konnten.
Das Typische der Muster in Norwegen ist vor allem die Kombination von
unterschiedlich kleinen und großen Strickmustern an Bündchen, Schultern und Ärmeln.
Auch hier hatte jedes Motiv eine spezielle Bedeutung, ob es das Strumpfmuster
war, das als Erkennungszeichen einer Familie galt, oder die Anordnung von
eingestrickten Mustern typisch für einen bestimmten Teil des Landes.
Die ursprünglichen Pullover und Jacken waren zunächst nur schwarz-weiß
gemustert, unterbrochen nur von einem rostroten Streifen an der Ärmeleinsatznaht.
Der Ausschnitt des Pullovers, die vordere Kante der Jacke und die Ärmelbündchen
wurden mit einer Filzborte eingefaßt, die mit bunter Stickerei verziert war.
Diese Stickerei kennzeichnete wiederum eine bestimmte Region.
Was wir als typischen Norwegerpullover bezeichnen, hat
meist eine buntgestrickte Rundpasse. Sie hat ihren Ursprung in der Perlenpasse
der Grönland-Eskimos, die einen Bestandteil ihrer Tracht bildet. Anfang dieses
Jahrhunderts diente diese erstmals für einen Pullover, der dann in den 50er
Jahren richtig populär wurde.
Durch viel Phantasie und farbliche Kombinationsgabe der Stricker hat sich der
„Norweger" in den unterschiedlichsten Schnittformen bei uns einen festen
Platz in der heutigen Garderobe erobert.
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